Corona: Sanierungsmethode: übertragende Sanierung – ein Werkzeug aus dem Instrumentenkoffer bei Insolvenz

14.01.2021

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Sanierungsmethode: In einem Insolvenzverfahren gehört die übertragende Sanierung zu den wahren Klassikern. Hinter dieser Methode steht, dass der Insolvenzverwalter das Unternehmen entweder komplett oder nur in Teilen verkauft. So können sich die Käufer nur die wertvollen Betriebsteile auswählen. Alle anderen Teile des Unternehmens werden dann über den Insolvenzverwalter abgewickelt. Anschließend gründet der Unternehmer mit dem eingenommenen Geld ein neues Unternehmen und kann von vorne durchstarten.

 

Die Geschichte einer erfolgreichen übertragenden Sanierung in der Corona-Krise

Der Reifenhändler Olaf Wagner aus Berlin stand Mitte 2020 kurz vor seinem finanziellen Abgrund. Die Hoffnung hatte der bis dahin immer erfolgreiche Unternehmer verloren. Er sah das Ende seines mittelständischen Betriebs kommen. Doch er wurde vom Gegenteil überzeugt. Heute sagt er, dass der Beginn von etwas Neuem nicht der Anfang vom Ende sein muss.

 

Im September 2020 stand er kurz vor der Pleite, als das Amtsgericht sein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnete. Sein Unternehmen mit 13 Mitarbeitern brachte nach Ausbruch des Corona-Virus einfach keine Einnahmen mehr ein. Das lag nicht an makelhaften Produkten, die Herr Wagner vertrieb oder an einer schlechten Betriebsstrategie. Nein. Dem Betrieb ging die Luft aus, als das neuartige Sars-Cov-2- Virus die Regierung zu Maßnahmen zwang, die die deutsche Wirtschaft lahmlegten. So traf es auch den Betrieb aus Berlin, als der Lockdown dann endgültig dazu führte, dass der Reifenhandel über mehrere Monate nahezu stagnierte.

Herr Wagner erinnert sich gut daran, dass seine Situation ohnehin schon schwer war. Während sich die Fixkosten in den vergangenen Jahren immer weiter erhöhten, stieg der Umsatz nicht mit an. "Mein Betrieb war auch vor Corona schon angeschlagen", sagt er heute rückblickend. Das Virus wirkte dann nur noch wie in Katalysator.

So lief alles ab

Olaf Wagner machte harte Monate durch.

Nach der vorläufigen Eröffnung des Insolvenzverfahrens und bevor das eigentliche Verfahren losging, wurde sein Unternehmen drei Monate lang bis ins letzte Eck unter die Lupe genommen.

Alles Begann, als er einen Insolvenzverwalter, Linus Büchner, vorgesetzt bekam, der ab nun das Regime übernehmen sollte. "Das war ein sehr komisches Gefühl, man begegnet dieser Person, die nun deinen eigenen Betrieb führen soll, zunächst nicht gerade mit Freude", so Wagner. Jeder kennt sie, die Geschichten um die sogenannten Totengräber der Wirtschaft: Die Insolvenzverwalter. Herr Büchner machte zwar im ersten Gespräch klar, dass die Insolvenz nicht das Ende bedeuten muss, doch diese Worte hörten sich für Herr Wagner damals nur wie leere Floskeln an.

Die ersten gemeinsamen Termine zwischen Wagner und Büchner waren die wichtigsten. Sehr schnell erkannte Büchner, dass der Reifenhandel als Einheit mehr wert war als die Gesamtheit aller Teile, Maschinen und dem Lagerbestand. Der Insolvenzverwalter sah sich schnell als Notarzt der Wirtschaft.  Er wurde vom Unternehmer Olaf Wagner davon überzeugt, dass eine Abwicklung in übertragender Sanierung zum Erfolg führen könnte.

Zunächst wurden alle Mitarbeiter versammelt und die Botschaften verkündet. Vor die Belegschaft traten ein heute sehr unsicher wirkender Chef und ein schick gekleideter Insolvenzverwalter. "Die Stimmung war ganz bedrückend, alle Beteiligten hatten Angst.", erinnert sich der Unternehmer noch ganz genau. Die Führung des Betriebs würde nun ein anderer übernehmen. Das Ziel war eine übertragende Sanierung, während Wagner ein neues Unternehmen gründen sollte. Die Mitarbeiter begriffen zwar schnell, dass Büchner dies schon mehrfach tat und wusste, wovon er spricht. Doch Angst um die eigenen Jobs hatten alle. Niemand wusste genau, was genau passieren würde bei dieser übertragenden Sanierung.

Herr Wagner erinnert sich, wie Büchner ihn in den folgenden Terminen immer wieder motivierte. Verkaufen, verkaufen, verkaufen war nun die Devise. "Es soll so viel Geld wie möglich reinkommen, mit dem wir Ihre Schulden abbezahlen". Dabei schob der Geschäftsmann mehr Nachtschichten denn je, um das Lager leer zu räumen. Dabei musste er jeden auch noch so kleinen Schritt von Büchner absegnen lassen - sogar wenn es um den Kauf von Toner für den Drucker ging. Dafür setzte er irgendwann einen seiner Mitarbeiter nur noch dazu ein, um den Kontakt zu Büchner zu steuern.

Wagners Aufgabe war es jetzt seinen eigenen Betrieb leerzuräumen, alle Betriebsmittel zu verkaufen. "Das fühlte sich viele Wochen über einfach nur falsch an. Alles was der Betrieb erwirtschaftet hat, sollte ich zu Geld machen. Ich wusste nicht, ob dieses Konzept jemals aufgehen kann. Aber ich vertraute dem Insolvenzverwalter. Ich arbeitete blind drauf los. Verfolgte einfach das laufende Konzept." Und so erreichte Wagner, dass sich die Konten allmählich fühlten und Gläubiger bezahlt werden konnten.

Drei emotionale Phasen begleiteten Herr Wagner wie die meisten der Schuldner in dieser Situation.

Das Leugnen, die Motivationsphase und die Wut.

Bevor der gelbe Brief vom Gericht ins Haus flatterte, machte der Unternehmer sich vor, die verfahrene Situation noch retten zu können: Das Leugnen war spätestens dann beendet.

Als die Konten sich füllten, war er motiviert von der Vision, dass alles doch gut gehen könnte. Kurze Zeit später überkam ihn die Frustration darüber, dass er seinen eigenen Betrieb überall hin verteilte, was zu Wut auf Herrn Büchner und das Konzept führte. "An diesem Punkt verlor ich den Glauben", so Wagner. Auch die Soforthilfen die der Bund ins Leben rief, um die Folgen der Corona-Pandemie wirtschaftlich einzudämmen, wirkten nicht und auch von den Krediten der KfW profitierte der Betrieb des Reifenhändlers nicht. Die Anträge wurden abgelehnt. Das waren alles Tropfen auf dem heißen Stein für den Unternehmer.

Um den Insolvenzantrag kam Herr Wagner sehr lange herum: Die Regierung pumpte Schmerzmittel in die Wirtschaft, die nur die Symptome linderten statt die Ursachen anzugehen: Die Insolvenzantragspflicht wurde ausgesetzt. Scheinbar gingen im Krisenjahr 2020 kaum Unternehmen in die Insolvenz. Doch die Wirklichkeit sah wie im Fall des Reifenhändlers ganz anders aus. Die Schieflage war im Mittelstand längst angekommen.

Dann war es so weit: am 1.12.2020 wurde die Insolvenz des Betriebs endlich angemeldet. Die Zahlen waren gut genug, dass die übertragende Sanierung funktionierte. Die Mitarbeiter blieben, neue Kredite konnten aufgenommen werden. Das neue Unternehmen steht heute auf festem Fundament. Es ist zwar kleiner und nicht mehr so breit gefächert, auch Teile der Halle müssen vermietet werden. Doch der Händler hat die Krise dank des Instruments der übertragenden Sanierung überlebt.

Für Herr Wagner und sein Unternehmen gibt es eine Zukunft: Eine Existenz auch nach Corona.

"Ich bin sehr dankbar über den Weg, den der Insolvenzverwalter mit mir ging. Damit kann ich in eine stabile Zukunft schauen. Dem Betrieb geht es heute besser als zuvor."

 

Was ist eine übertragende Sanierung?

Bei einer übertragenden Sanierung kauft ein Unternehmen ein anderes Unternehmen. Im Kern übernimmt Ihr Insolvenzverwalter die Rolle der Unternehmensführung und liquidiert mit Ihrer Hilfe sämtliche Teile Ihres Unternehmens, damit Geld in Ihre Kasse kommt. Das erwerbende Unternehmen wird Auffanggesellschaft genannt. Diese Auffanggesellschaft erwirbt Vermögensgegenstände, Betriebsinventar und ähnliches vom insolventen Unternehmen. Der Kaufpreis, den die Auffanggesellschaft aufbringt, wird an die Gläubiger verteilt.

 

Vor- und Nachteile der übertragenden Sanierung

GmbH-Geschäftsführer können von der übertragenden Sanierung profitieren, wenn sie ihr Unternehmen durch eine Vertrauensperson abkaufen lassen. Somit lassen sich die werthaltigen Bestandteile und Sachmittel schnell von einem maroden Unternehmen extrahieren. Ebenso ein entscheidender Vorteil ist, dass die Käufer unbelastetes Eigentum bekommen, da alle alten Verpflichtungen gelöscht sind. Somit können sich die Käufer die wahren Rosinen aus dem Unternehmen herauspicken.

 

Jedoch muss beachtet werden, dass beispielsweise auch alle günstigen Mietverträge auslaufen oder andere Verträge mit guten Konditionen. Diese müssten wieder neu ausgehandelt werden. Außerdem erlöschen selbst sehr schwierig zu erhaltende behördliche Genehmigungen. Bei Übernahme des Unternehmens müssen diese Genehmigungen wieder neu eingefordert werden.

Unternehmensverkäufe gehen immer an den Meistbietenden. Die übertragende Sanierung ist auch dann möglich, wenn ein Schutzschirmverfahren mit Eigenverwaltung und Insolvenzplan bereits fehlgeschlagen ist. Die Geschäftsbetriebe des alten Unternehmens werden außerdem so lange fortgeführt, bis das neue Unternehmen die gewünschten Teile übernommen hat. Sobald der aktive Geschäftsbetrieb übergeben ist, wird die Fortführung durch den Insolvenzverwalter komplett eingestellt. Das bedeutet: Der Betrieb bleibt weiterhin bestehen und kann von Ihnen fortgeführt werden. Von dem erwirtschafteten Einkommen geht ein Teil an die Gläubiger zur Tilgung deren Forderungen. Allerdings muss der Insolvenzverwalter von der positiven Zukunftsaussicht des Betriebes überzeugt werden.

 

Betrieb fortführen? So überzeugen Sie den Insolvenzverwalter! Überzeugungsarbeit leisten

Die beste Überzeugungsarbeit funktioniert mit einer guten Transparenz. Geben Sie dem Insolvenzverwalter sämtliche Betriebszahlen bekannt und ermöglichen Sie ihm somit eine Prognose für die Zukunft. Ein Businessplan könnte weiterhelfen, den Insolvenzverwalter von dem Geschäftskonzept zu überzeugen. Außerdem braucht der Insolvenzverwalter Vertrauen in Ihre kaufmännischen Fähigkeiten. Schließlich bleibt der Betrieb trotz Insolvenz in Eigenverwaltung. Sie können selbst über neue Verträge und Ausgaben des Unternehmens bestimmen. Demnach muss Ihnen auch der Insolvenzverwalter das Fortführen der Praxis oder der Kanzlei zutrauen. Hier stehen Sie vor einer großen Aufgabe. Sie müssen die Befürchtung des Insolvenzverwalters widerlegen, dass Sie die Insolvenzmasse nicht absichtlich schmälern. Bei neuen eingegangenen Verbindlichkeiten ist das keine leichte Aufgabe. Diese müssen wieder in Relation zu neuen Einkünften stehen. Zähe Verhandlungen und ein gutes Konzept führen Sie hier letztlich zu Ihrem Willen. Erfahrungsgemäß dürfen Sie dann den Betrieb weiter fortführen. Die erwirtschafteten Einkünfte gehen zu einem Teil an die Gläubiger. Den nicht pfändbaren Teil dürfen Sie behalten und den Betrieb nach der Insolvenz wieder unter voller Leistung fahren.

 

Das Sanierungsinstrument der übertragenden Sanierung bringt zwar spürbare Konsequenzen mit sich, bringt aber auch erhebliche Chancen mit sich.

Wenn ein insolventer Unternehmer sein Unternehmen erhalten und sichern will, dass es seinen Betrieb nicht einstellen muss, sollte sich an die übertragende Sanierung erinnern.

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