Unternehmer, hört die Signale aus der Unternehmens­beratung!

15.02.2020

LESEZEIT:

Unternehmensberatung:

Neues von einem Insolvenzverwalter aus Leonberg/Stuttgart sowie aus Eislingen/Göppingen und aus Tübingen

„Schäm dich! Stell dich in die Ecke, du Versager!“ so und nicht nur wie in Schulzeiten fühlt sich ein Unternehmer, wenn er zum Konkursgericht geht. Die Angst vor dem totalen Kontrollverlust in seinem Unternehmen und die unbeantwortete Frage, welchen Insolvenzverwalter das Amtsgericht ihm „vor die Nase“ setzt, hat ihn trotz der drohenden Strafen wegen Insolvenzverschleppung lange zögern lassen, frühzeitig Insolvenzantrag zu stellen. Diese Zeiten sind mit Einführung des „Gesetzes zur Erleichterung zur Sanierung von Unternehmen“ (ESUG) seit dem 01.03.2012 vorbei.

Erinnern wir uns!

Die Insolvenzordnung ist ein Gesamtvollstreckungsverfahren (Stichwort: Gläubigergleichbehandlungsgrundsatz), im Gegensatz zur Einzelzwangsvollstreckung, bei der nur der einzelne Gläubiger befriedigt wird. Gleichzeitig regelt die Insolvenzordnung den Marktaustritt eines Unternehmens, so wie der Markteintritt gesetzlichen Regelungen unterliegt. Allerdings reduziert sich die Insolvenzordnung nicht allein auf die Ausradierung unrentabler Betriebe oder als privatrechtliche Todesstrafe für unternehmerisches Fehlverhalten. Als Instrument dient ihr, um ein in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenes Unternehmen, dessen Ertragsfähigkeit aber wieder hergestellt und somit wieder wettbewerbsfähig gemacht werden soll, der Insolvenzplan. Im Vordergrund steht im Gegensatz zur Zerschlagung die Erhaltung des Unternehmens mit seinen Betriebsstätten und Arbeitsplätzen. Das Rechtsinstitut „Insolvenzplan“, von der im Jahr 1978 eingesetzten „Kommission für Insolvenzrecht“ als die wesentliche Neuerung des Insolvenzverfahrens im Gegensatz zur Zerschlagungsphilosophie der Konkursordnung herausgestellt, konnte sich in der Insolvenzpraxis nicht durchsetzen. Kritikpunkt: Insolvenzen seien nicht planbar, Insolvenzpläne und die Eigenverwaltung seien nur theoretisch möglich. Folglich lag die Anzahl der Verfahren in Deutschland, bei denen ein Insolvenzplan erfolgreich durchgeführt wurde, weit unter 3 % aller eröffneten Verfahren. Die Anzahl erfolgreicher Eigenverwaltungen dagegen liegt unter 1 % eröffneter Verfahren.

Grundlegende Veränderungen durch das Insolvenz- und Sanierungsrecht bei der Unternehmensberatung

Das geltende Gesetz zur „Erleichterung zur Sanierung von Unternehmen“ will die Sanierung von Unternehmen insbesondere

  • durch eine Stärkung des Gläubigereinflusses auf die Auswahl des Insolvenzverwalters,
  • durch Ausbau und Straffung des Insolvenzplanverfahrens und
  • durch eine Vereinfachung des Zugangs zur Eigenverwaltung

erleichtern. Gleichzeitig soll das negative Image des Insolvenzverfahrens aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit zurückgedrängt und das Insolvenzverfahren mit den Möglichkeiten der Eigenverwaltung (der Unternehmer bleibt Herr im eigenen Hause) als Sanierungsinstrument stärker in das Bewusstsein gerückt werden. Zusätzlich kann eine Sanierung ohne die strategische Option über die Insolvenz im Rahmen einer Unternehmensberatung in finanzwirtschaftlichen oder leistungswirtschaftlichen Bereichen eines Unternehmens nicht mehr ordnungsgemäß vollzogen werden. Dies wäre ein Beratungsfehler. Wahre „Haftungsgräber“ tun sich dann für den Unternehmensberater auf. Deshalb wird sich die Unternehmens- und Sanierungsberaterlandschaft grundlegend ändern, wovon auch der Insolvenzverwalter optional betroffen ist, dessen Rechtsrat nunmehr im Vorfeld der Sanierungstätigkeiten gefragt sein wird. Haben Sie Fragen?

Wollen Sie alle relevantes Details noch einmal nachhören? Wir bieten Ihnen zu diesem und anderen brennenden Themen Videos an, die auf Ihre Fragen eingehen.

Unternehmensberatung: Mehr zu diesem Thema und weitere Informationen zu vielen anderen Themen finden Sie auf der Homepage der Kanzlei Schmidt.

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