Alle Phasen auf einen Blick.

Der Ablauf der Regelinsolvenz ist von Fall zu Fall verschieden, denn er ist abhängig von der Größe und der Struktur des Unternehmens sowie der Anzahl der Gläubiger. Insofern ist auch die Dauer einer Unternehmensinsolvenz von Fall zu Fall sehr verschieden.

Die Frage nach der Dauer eines Regelinsolvenzverfahrens kann also nicht pauschal beantwortet werden. Einige Anhaltspunkte gibt es aber, die unter anderem von der Organisationsform des Unternehmens (Gesellschaft, Selbstständiger, Freiberufler) abhängt.

Durchschnittliche Dauer des Insolvenzverfahrens

Statistisch gesehen dauert eine Regelinsolvenz im Falle von juristischen Personen durchschnittlich etwa vier Jahre. Nicht eingerechnet ist in diesem Zeitraum die Phase, in der auf Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens entschieden wird. Die Zeit zwischen Antragstellung und Eröffnung des eigentlichen Insolvenzverfahrens ist zu den circa vier Jahren also noch hinzuzurechnen.

Geht es um die Unternehmensinsolvenz einer Stiftung, einer Genossenschaft oder einer GmbH & Co.KG, dauert das Verfahren in der Regel deutlich länger. Mit bis zu zehn Jahren, die die Regelinsolvenz hier in Anspruch nimmt, ist das Verfahren hier in vielen Fällen besonders langwierig und damit auch für alle Beteiligten unter Umständen strapazierend.

Dauer der Vorbereitung

Die erste Phase der Regelinsolvenz beinhaltet die Vorbereitung des eigentlichen Insolvenzverfahrens. Zunächst muss der Insolvenzantrag gestellt werden und die Entscheidung über diesen Antrag abgewartet werden. In dieser Phase hat das zuständige Insolvenzgericht (Amtsgericht) darüber zu entscheiden, ob ein Insolvenzverfahren im konkreten Fall überhaupt möglich ist. Voraussetzung hierfür ist ein tatsächlicher Insolvenzgrund und eine ausreichende vorhandene Vermögensmasse des antragstellenden Unternehmens, um die Kosten des Insolvenzverfahrens zu decken.

Vor allem letzteres festzustellen, kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Denn zu diesem Zweck wird vom Insolvenzgericht in der Regel ein Sachverständiger beauftragt, der die Vermögensverhältnisse des Unternehmens klärt und dem Gericht damit die Grundlage für die Entscheidung über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens an die Hand gibt.

Diese Phase kann deshalb zwischen sechs Wochen und gut drei Monaten dauern.

Das eigentliche Insolvenzverfahren

Deutlich länger hingegen dauert das eigentliche Insolvenzverfahren, das mit dem Eröffnungsbeschluss durch das Insolvenzgericht beginnt. Denn in dieser Phase der Regelinsolvenz findet die eigentliche Sanierung oder Liquidation des Unternehmens statt.

Deshalb ist leicht nachvollziehbar, dass nun die Größe des Unternehmens, die Anzahl der Gläubiger und das Verhalten der Gläubiger in dieser Phase der Regelinsolvenz erheblichen Einfluss darauf hat, wie schnell die Sanierung oder Liquidation des Unternehmens von statten gehen kann. Denn nach der offiziellen Eröffnung des Insolvenzverfahrens (Eröffnungsbeschluss) prüft nun der Insolvenzverwalter die Sach- und Geldwerte, die im Unternehmen noch vorhanden sind (Insolvenzmasse). Des Weiteren klärt der Insolvenzverwalter die Vermögenssituation im Gesamten.
Da Nachforschungen an dieser Stelle sehr zeitintensiv sind und auch die Verwertung von Unternehmensvermögen durch den Insolvenzverwalter einige Zeit in Anspruch nehmen kann, dauert dieser Teil des Unternehmensinsolvenzverfahrens am längsten.

Regelinsolvenz bei natürlichen Personen:

Wohlverhaltensperiode & Restschuldbefreiung

Anders als bei Gesellschaften oder Vereinen ist im Fall der Regelinsolvenz von natürlichen Personen (selbstständige Einzelunternehmer oder Freiberufler) eine Restschuldbefreiung möglich.
Deswegen schließt bei natürlichen Personen an das eigentliche Insolvenzverfahren die sogenannte Wohlverhaltensperiode an, an deren
Ende immer die Restschuldbefreiung steht. Wann es dann zur Restschuldbefreiung kommt, ist unterschiedlich:
Schon dreieinhalb Jahre nach Eröffnung des eigentlichen Insolvenzverfahrens kann bei Freiberuflern oder Einzelunternehmern die Restschuldbefreiung erteilt werden, wenn zu diesem Zeitpunkt 35 % der Schulden und zusätzlich alle Verfahrenskosten getilgt wurden.
Andernfalls kann die Restschuldbefreiung nach fünf Jahren erteilt werden, wenn zu diesem Zeitpunkt alle Verfahrenskosten gedeckt sind. Sechs Jahre nach Eröffnung des eigentlichen Insolvenzverfahrens wird bei natürlichen Personen die Restschuldbefreiung aber in jedem Fall erteilt – und zwar unabhängig davon, ob und wie viele Schulden in dieser Zeit getilgt werden konnten.

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