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Trotz knapper Kasse: Wie Sie der Inflation im Alltag begegnen können

Onlinekäufe sind einfacher denn je zuvor dank Microkredite von PayPal und Klarna (Foto von rupixen auf Unsplash)

Während der Einkaufswagen immer leerer wird und die Rechnung trotzdem steigt, stehen viele Menschen in Deutschland vor einer besonderen Herausforderung: Wie soll man sich gegen Inflation schützen, wenn am Ende des Monats ohnehin nichts übrigbleibt? Für Kassiererinnen, alleinerziehende Mütter oder Rentner mit geringer Rente scheinen die klassischen Finanzratschläge oft realitätsfern. Dieser Beitrag zeigt praxisnahe Wege, wie auch mit knappem Budget der Kaufkraftverlust abgefedert werden kann.

Wenn jeder Cent zählt: Die Inflationsfalle im Alltag

Sandra Klein steht seit 15 Jahren als Kassiererin in einem Supermarkt in Rastatt. Jeden Tag scannt sie hunderte Produkte ein und bemerkt dabei, wie die Preise stetig steigen. „Früher hat der Wocheneinkauf für mich und meine Tochter vielleicht 60 Euro gekostet. Heute sind es locker 85 Euro für die gleichen Produkte“, erzählt die alleinerziehende Mutter.

Das tägliche Rechnen und Planen

Für Sandra ist der Monat ein ständiger Balanceakt. Nach Abzug von Miete, Strom und Versicherungen bleiben ihr und ihrer zehnjährigen Tochter etwa 950 Euro zum Leben. „Wenn dann der Strompreis um 30 Prozent steigt oder die Butter plötzlich fast doppelt so teuer ist, dann kann ich das nicht einfach aus einem Sparbuch ausgleichen – das gibt es nicht bei mir.“

Ähnlich geht es Heinrich Bauer, 73, der nach 45 Jahren als Lagerarbeiter eine monatliche Rente von 1.100 Euro bezieht. „Als ich die Nebenkostenabrechnung bekam, musste ich erstmal schlucken. Fast 600 Euro Nachzahlung – woher soll ich das nehmen?“

Die emotionale Belastung

Neben der finanziellen Belastung kommt die psychische Anspannung: Das ständige Rechnen, die Sorge vor unerwarteten Ausgaben, die Scham, wenn an der Kasse etwas zurückgelegt werden muss. „Manchmal fühle ich mich als Versagerin“, gesteht Sandra, „obwohl ich jeden Tag hart arbeite.“

Alles wird teurer durch die Inflation

Praktische Überlebensstrategien für den Inflationsalltag

Für Menschen mit knappem Budget sind andere Strategien gefragt als die klassischen Anlageratschläge. Hier sind bewährte Methoden, die sofort umsetzbar sind und keine Ersparnisse voraussetzen:

Lebensmittelkosten senken ohne zu hungern

Die steigenden Lebensmittelpreise treffen Menschen mit geringem Einkommen besonders hart, da sie prozentual mehr für Grundnahrungsmittel ausgeben müssen.

  • Einkaufsplanung: „Ich schreibe jeden Sonntag einen genauen Plan, was wir in der Woche essen“, erklärt Sandra. „Mit Wochenplan und Einkaufsliste kann man bis zu 30 Prozent der Lebensmittelkosten einsparen, weil man weniger wegwirft und gezielter einkauft.“
  • Saisonales und regionales Einkaufen: Auf dem Wochenmarkt kurz vor Schluss einzukaufen kann die Kosten halbieren. „Die Händler verkaufen lieber günstig als gar nicht“, weiß Heinrich.
  • Eigenmarken statt Markenprodukte: Oft sind sie qualitativ gleichwertig, kosten aber 30-50% weniger. „Meine Tochter merkt keinen Unterschied bei den meisten Produkten“, berichtet Sandra.
  • Nahrungsmittel selbst anbauen: „Auf meinem Balkon ziehe ich Tomaten, Radieschen und Kräuter. Das spart nicht nur Geld, sondern macht auch Freude“, erzählt Rentner Heinrich.

Energiekosten senken ohne große Investitionen

Energiekosten steigen besonders stark – doch auch hier gibt es Sparpotenzial:

  • Stromverbrauch reduzieren: „Ich habe alle Geräte auf Standby an eine abschaltbare Steckerleiste angeschlossen“, erklärt Sandra. „Das spart etwa 100 Euro im Jahr.“
  • Heizkosten optimieren: Heizkörper nicht durch Möbel verstellen und Räume, die man selten nutzt, nur minimal heizen. „Ein Grad weniger Raumtemperatur spart etwa 6 Prozent Heizkosten“, weiß Heinrich.
  • Wasser sparen: Duschen statt Baden und Wasserhähne mit Durchflussbegrenzern ausstatten. „Das merkt man kaum, spart aber bei einer vierköpfigen Familie bis zu 150 Euro im Jahr.“
  • Staatliche Förderprogramme nutzen: Beim Jobcenter oder der Stadt können Geringverdiener oft Zuschüsse für energiesparende Geräte beantragen. „Als mein alter Kühlschrank kaputtging, bekam ich Unterstützung für einen energieeffizienten Ersatz“, berichtet Heinrich.

Staatliche Unterstützung und Sozialleistungen ausschöpfen

Viele Anspruchsberechtigte kennen ihre Rechte nicht oder scheuen den Aufwand:

  • Wohngeld beantragen: „Ich hatte lange Zeit nichts davon gewusst“, sagt Sandra. „Jetzt bekomme ich monatlich 180 Euro Wohngeld, was wirklich einen Unterschied macht.“ Auch viele Rentner haben Anspruch auf diese Leistung.
  • Kinderzuschlag nicht vergessen: Alleinerziehende mit geringem Einkommen können bis zu 209 Euro pro Kind und Monat zusätzlich zum Kindergeld erhalten.
  • Grundsicherung im Alter: „Viele meiner Altersgenossen beziehen keine Grundsicherung, obwohl sie einen Anspruch hätten“, erklärt Heinrich. „Das ist kein Almosen, sondern ein Recht.“
  • Beratungsstellen aufsuchen: Sozialverbände wie Caritas, Diakonie oder der VdK bieten kostenlose Beratung und Hilfe bei Anträgen.

Mobilitätskosten senken

Die steigenden Spritpreise treffen besonders diejenigen hart, die für den Job auf das Auto angewiesen sind:

  • Fahrgemeinschaften bilden: „Ich fahre mit einer Kollegin zusammen zur Arbeit. Das halbiert unsere Spritkosten“, erklärt Sandra.
  • Öffentliche Verkehrsmittel und Sondertickets: Mit dem Deutschland-Ticket für 58 Euro können viele teurere Einzelfahrten ersetzt werden. Manche Bundesländer bieten vergünstigte Sozialtickets an.
  • Fahrrad nutzen: Für kurze Strecken bietet das Rad eine kostenlose Alternative. „Seit ich mehr Fahrrad fahre, spare ich nicht nur Benzingeld, sondern fühle mich auch fitter“, berichtet Heinrich.

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Kleine Einnahmequellen erschließen: Jeder Euro zählt

Während es beim schmalen Budget schwer ist, größere Summen zu sparen, können kleine Zusatzeinnahmen die Situation entspannen:

Nebentätigkeiten, die fast jeder ausüben kann

  • Nachhilfe geben: „Ich helfe zweimal pro Woche Nachbarskindern bei den Hausaufgaben. Das bringt mir monatlich etwa 120 Euro extra“, berichtet Sandra.
  • Kleine Dienstleistungen anbieten: Für ältere Menschen einkaufen, Haustiere betreuen oder bei der Gartenarbeit helfen kann 10-15 Euro pro Stunde einbringen.
  • Online-Umfragen und Produkttests: „Ich fülle regelmäßig bezahlte Umfragen aus. Das bringt zwar nur kleine Beträge, summiert sich aber auf 30-40 Euro im Monat“, sagt Heinrich.
  • Pfandflaschen sammeln: Klingt unscheinbar, kann aber überraschend einträglich sein. „Ich sammle die Pfandflaschen bei uns im Wohnblock. Im Monat kommen da gut 20-25 Euro zusammen“, erzählt ein Nachbar von Heinrich.

Ihr Aktionsplan gegen Inflation trotz knapper Kasse

Bei geringem Einkommen mag der Kampf gegen die Inflation aussichtslos erscheinen. Doch mit den richtigen Strategien können Sie Ihre Situation verbessern und mehr finanzielle Kontrolle gewinnen.

Diese drei Schritte können Sie heute noch umsetzen:

  1. Machen Sie eine detaillierte Ausgabenübersicht: Notieren Sie eine Woche lang jede Ausgabe, egal wie klein. So sehen Sie genau, wo Ihr Geld hingeht. „Ich war überrascht, wie viel ich für Kleinigkeiten ausgegeben habe, die ich nicht wirklich brauchte“, berichtet Sandra.
  2. Prüfen Sie Ihre Ansprüche auf staatliche Leistungen: Vereinbaren Sie einen Termin bei einer Sozialberatungsstelle in Ihrer Nähe. Viele Menschen verzichten aus Unwissenheit oder falscher Scham auf Leistungen, die ihnen rechtlich zustehen.
  3. Tauschen Sie sich mit anderen aus: Sprechen Sie mit Nachbarn, Kollegen oder in sozialen Netzwerken über Spartipps und gemeinsame Aktionen. „Seit wir in der Nachbarschaft Großeinkäufe gemeinsam machen und die Kosten teilen, spare ich etwa 15 Prozent beim Einkauf“, berichtet Heinrich.

Gemeinsam statt einsam gegen steigende Preise

Die Inflation trifft Menschen mit geringem Einkommen besonders hart – aber Sie sind nicht allein. Überall in Deutschland entwickeln Menschen kreative Lösungen, um mit begrenzten Mitteln den Alltag zu meistern.

Haben Sie eigene Erfahrungen oder Tipps, wie man trotz knapper Kasse gegen die Inflation ankämpfen kann? Teilen Sie Ihre Ideen und Ihre Geschickten mit uns! Vielleicht ist Ihr Tipp genau das, was einem anderen Menschen helfen kann, besser über die Runden zu kommen. Schreiben Sie uns dazu einfach eine Mail an info@sg-kanzlei.de oder rufen Sie uns an unter 07152 / 93 95 40.

Denken Sie daran: Auch wenn das Budget knapp ist – Ihre Würde und Lebensqualität müssen nicht darunter leiden. Mit Kreativität, Gemeinschaft und dem Wissen um Ihre Rechte können Sie der Inflation trotzen!


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